Neue Alzheimer-Behandlung an der Grazer Gedächtnisambulanz
Die Universitätsklinik für Neurologie setzt Anti-Amyloid-Antikörper ein, die sich gegen bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn richten. Damit greifen die Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab in einen Krankheitsprozess ein. Bisherige rein symptomatische Medikamente verfolgen einen anderen Ansatz. Die Med Uni Graz stellte das Behandlungsangebot am 17. September 2026 im Umfeld des Welt-Alzheimertags vor.
Die Zulassungen betreffen frühe Erkrankungsstadien: leichte Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und Denkens oder eine leichte Alzheimer-Demenz. Amyloid-Veränderungen müssen nachgewiesen sein. Auch genetische Merkmale werden berücksichtigt; die europäischen Zulassungen beschränken die Anwendung auf Menschen ohne oder mit einer Kopie der Genvariante ApoE4. Das Angebot eignet sich daher nicht für alle Menschen mit Demenz.
Medizinische Überwachung gehört zur Therapie
Vor dem Behandlungsbeginn braucht es eine fachärztliche Abklärung. Dazu gehören Untersuchungen, die sowohl die Diagnose als auch mögliche Behandlungsrisiken erfassen. Während der Therapie sind weitere Kontrollen notwendig. MRT-Aufnahmen helfen dabei, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.
Zu den möglichen Nebenwirkungen der Antikörper zählen Flüssigkeitsansammlungen und Blutungen im Gehirn. Manche dieser Veränderungen können schwerwiegend sein. Die Auswahl geeigneter Betroffener und die engmaschige Begleitung sind deshalb zentrale Bestandteile der Behandlung. Studien zeigen eine Verlangsamung des kognitiven Abbaus gegenüber einer Behandlung mit einem Scheinmedikament; eine Heilung lässt sich daraus nicht ableiten.
Grazer Forschung untersucht Früherkennung und Versorgung
Die Neuropsychologin Marisa Koini beschäftigt sich an der Med Uni Graz mit Veränderungen des Gehirns im Alter und bei Demenzerkrankungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Blut- und Nervenwasser-Biomarkern, kognitiven Tests und MRT-Auswertungen. Diese Verfahren sollen helfen, Erkrankungen früher und genauer zu erkennen und ihren Verlauf besser einzuschätzen.
Die Universitätsklinik ist außerdem am Internationalen Alzheimer-Register InRAD beteiligt. Dort werden Behandlungs- und Verlaufsdaten systematisch erfasst, um neue Möglichkeiten unter realen Versorgungsbedingungen zu untersuchen. Als Partnerin der LETHE-AT-Studie erforscht die Med Uni Graz zudem personalisierte Maßnahmen für Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko. Dabei geht es unter anderem um Bewegung, Ernährung, Schlaf und soziale Aktivität. Ob und wie solche Maßnahmen individuelle Risiken beeinflussen, ist Gegenstand der Forschung.
Beitragsbild: © Med Uni Graz / Lunghammer.