Bestehende Wirtschaftsbeziehungen als Ausgangspunkt
Der Wiederaufbau wurde bei der Veranstaltung als Aufgabe beschrieben, die bereits während des Krieges beginnt. Unternehmen müssen beschädigte Anlagen ersetzen, die Energieversorgung sichern und unterbrochene Lieferketten wiederherstellen. Für steirische Betriebe sehen die Beteiligten vor allem in der Energieversorgung, im Bau und bei Infrastrukturprojekten mögliche Beiträge.
Beim Symposium wurden rund 1.000 österreichische Unternehmen mit weiterhin bestehenden Geschäftsbeziehungen zur Ukraine genannt. Etwa 200 seien mit eigenen Niederlassungen vertreten und beschäftigten dort zusammen mehr als 25.000 Menschen. Diese Zahlen beziehen sich auf Österreich insgesamt und verdeutlichen, dass die Diskussion auch laufende wirtschaftliche Verbindungen betrifft.
Zerstörung und schwierige Transporte prägen den Markt
David Bachmann, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Kiew, erklärte steigende Exporte vor allem mit dem Ersatz zerstörter Einrichtungen. Er warnte damit vor einer rein optimistischen Interpretation der Entwicklung. Beschädigte Bahnstrecken, eingeschränkte Transportkapazitäten und Probleme auf Wasserwegen erschwerten zugleich den Warenverkehr.
Der ukrainische Botschafter Vasyl Khymynets berichtete über Angriffe auf Strom-, Wasser-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Die Beiträge machten deutlich, dass geschäftliche Möglichkeiten eng mit dem Bedarf an Versorgung und Wiederherstellung zusammenhängen. Die fortdauernden Kriegsschäden bleiben dabei Teil der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Kontakte früh aufbauen und Projekte mitentwickeln
Wolfgang Anzengruber, Koordinator der österreichischen Bundesregierung für den Ukraine-Wiederaufbau, riet Unternehmen dazu, konkrete Projekte frühzeitig mitzuentwickeln. Auf spätere Ausschreibungen allein zu warten, sei aus seiner Sicht zu wenig. Er beschrieb seine Aufgabe als Verbindung zwischen Österreich, der Europäischen Union und der Ukraine.
Für mittelständische Betriebe wurden belastbare Kontakte und geeignete Partner als wichtige Voraussetzungen angesprochen. Anknüpfungspunkte bieten bestehende Beziehungen zu den ukrainischen Regionen Lviv und Kirovohrad. Kooperationen bei Energie und Infrastruktur sowie gebündelte Informationen zu Finanzierung und Absicherung wurden als mögliche nächste Schritte diskutiert.
EU-Annäherung bleibt mit politischen Hürden verbunden
Europarechtsprofessor Paul Gragl von der Universität Graz ordnete die europäische Perspektive der Ukraine ein. Er verwies auf den Beginn der Beitrittsverhandlungen im Juni 2024, zugleich aber auf den Krieg und die notwendige Einstimmigkeit in politischen Gremien als Hürden.
Den Austausch eröffneten Universitätsrektor Peter Riedler, WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk und Honorarkonsul Friedrich Möstl. ICS-Geschäftsführer Karl Hartleb moderierte. Im Zentrum standen damit sowohl die Vorbereitung wirtschaftlicher Zusammenarbeit als auch eine realistische Einschätzung ihrer Voraussetzungen.
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