Zusätzlicher Stauraum unter der Hilmteichstraße
Der Speicherkanal verläuft entlang der Hilmteichstraße und liegt je nach Abschnitt fünf bis zehn Meter unter dem künftigen Trassenbereich der Straßenbahnlinie 1. Die Stahlbetonröhre hat einen Innendurchmesser von zwei Metern. Bei starken Niederschlägen kann Mischwasser zunächst gespeichert und später kontrolliert zur Kläranlage weitergeleitet werden.
Hintergrund ist das bestehende Mischwassersystem in Mariatrost, das Schmutz- und Regenwasser gemeinsam aufnimmt. Bei außergewöhnlich starken Regenfällen können die vorhandenen Kapazitäten überschritten werden. Dann wird stark verdünntes Mischwasser über Entlastungen in den Mariatrosterbach geleitet. Der neue Speicher schafft zusätzlichen Puffer; drei besonders relevante Mischwasserentlastungen wurden in die hydraulische Sanierung einbezogen.
Microtunneling unter engem Straßenraum
Die Bauarbeiten begannen im November 2025. Wegen der beengten Verhältnisse und der Abstimmung mit dem zweigleisigen Ausbau der Linie 1 wurde der Kanal weitgehend unterirdisch errichtet. Beim in Graz erstmals in dieser Form eingesetzten Microtunneling-Verfahren wurden Rohre von einer rund zehn Meter tiefen Startgrube aus präzise durch den Untergrund geschoben. Die Grube war etwa sechs Meter breit und zwölf Meter lang.
Die Bohrarbeiten wurden im April 2026 abgeschlossen. Insgesamt entstanden rund 650 Meter gebohrte Kanalstrecke sowie zusätzliche Drossel-, Überlauf- und Schachtbauwerke und Anschlüsse an das bestehende Kanalnetz. Nach Ende der Kanalbauarbeiten konnte das Baufeld für den weiteren Straßenbahnausbau übergeben werden.
Sensorik steuert den Betrieb
Die neue Anlage wird automatisiert betrieben und mit moderner Sensorik überwacht. Sie ist in das zentrale Kanalleitsystem eingebunden, sodass der Betrieb an die jeweilige Niederschlags- und Abflusssituation angepasst werden kann. Nach einem Regenereignis wird das gespeicherte Wasser kontrolliert weitertransportiert und in der Kläranlage behandelt.
Die Holding Graz beziffert das Investitionsvolumen mit rund 9,3 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens wurden während der Bauphase Maßnahmen zum Boden- und Gewässerschutz sowie zur Reduktion von Lärm und Emissionen umgesetzt. Mit der Fertigstellung erhält das Grazer Kanalnetz zusätzliche Rückhaltemöglichkeiten in einem Bereich, in dem Wasserwirtschaft und Straßenbahnausbau unmittelbar zusammenkommen.
Beitragsbild: © Holding Graz.