Lieder und Gespräch im Florentinersaal
Die Veranstaltung entsteht in Kooperation der Kunstuniversität Graz mit der Klassik Stiftung Weimar und dem Label NAXOS. Herausgegeben wurde die Verbindung aus wissenschaftlichem Buch und drei CDs von Bassbariton Ulf Bästlein und Ariane Ludwig vom Goethe- und Schiller-Archiv. Bei der Präsentation treffen Aufführungen auf ein Podiumsgespräch und kurze Einführungen in Leben und Werk des Komponisten.
Neben Ludwig und Bästlein wirken Pianist Hedayet Jonas Djeddikar, Karsten Hein vom Goethe-Museum Düsseldorf, Michael Aigner von NAXOS sowie Studierende der Kunstuniversität Graz mit. Der angekündigte Ehrengast Dieter Borchmeyer gehört auch zu den Autor:innen des Buches.
75 Vokalwerke auf historischen Instrumenten aufgenommen
Die Publikation versammelt 75 Vokalwerke Walther von Goethes als Weltersteinspielungen. Das Buch ergänzt die Musik um Beiträge zu Biografie, Werk, historischen Klangvorstellungen und Quellen. Die künstlerische Arbeit und die Forschung wurden dabei gemeinsam entwickelt, statt unabhängig voneinander präsentiert zu werden.
Aufgenommen wurde im Wiener Studio Tonal auf historischen Instrumenten sowie im Junozimmer des Goethehauses am Frauenplan in Weimar. Dort kam der original erhaltene Nannette-Streicher-Flügel der Familie Goethe zum Einsatz. An den Aufnahmen beteiligt sind Hedayet Jonas Djeddikar und Christoph Ritter am Klavier, Sopranistin Silke Evers und Bassbariton Ulf Bästlein.
Walther von Goethe war mehr als Nachlassverwalter
Der 1818 geborene und 1885 verstorbene Walther von Goethe war der älteste Enkel Johann Wolfgang von Goethes und wuchs im Haus seines Großvaters auf. Er arbeitete nicht nur als Komponist, sondern auch als Schriftsteller, Rezensent, Kulturpolitiker und Verwalter des Goethe-Nachlasses. Seine Rolle gehört zur Entstehungsgeschichte des Goethe- und Schiller-Archivs und der heutigen Klassik Stiftung Weimar.
Seine Haltung zum öffentlichen Musikbetrieb war ungewöhnlich: Während Kunstlieder im 19. Jahrhundert zunehmend vor größerem Publikum erklangen, zog er sich davon zurück und untersagte schließlich öffentliche Aufführungen seiner eigenen Werke. Die Präsentation in Graz macht diese historische Position ebenso zum Thema wie die Musik selbst.
Der Abend ist dem Andenken des Dirigenten und Musikwissenschafters Peter Gülke gewidmet. Er begleitete das Projekt von Beginn an als Mentor.
Beitragsbild (Archivfoto): © Clemens Nestroy.