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Allerheiligen: Angela Lendl über persönliche Abschiede und die Grenzen von KI

Rund um Allerheiligen spricht die Grazer Begräbnisleiterin Angela Lendl über Wünsche bei kirchlichen Verabschiedungen, die Rolle von Musik und den Umgang mit schwierigen Familiengeschichten. Einen künstlich erzeugten Trauerredner sieht sie kritisch: Ein Abschied brauche persönliche Anteilnahme und dürfe nicht auf vorgefertigte Inhalte reduziert werden.

von Joachim Bacher
Begräbnisleiterin Angela Lendl spricht über Trauer, Abschied und die Grenzen künstlicher Intelligenz

Persönliche Wünsche prägen die Verabschiedung

Angela Lendl ist seit zwei Jahren als Pastoralreferentin im Seelsorgeraum Graz Südost tätig und begleitet Trauerfeiern in verschiedenen Teilen der Stadt. Die Ausbildung zur Begräbnisleiterin wird von der Diözese Graz-Seckau angeboten. Lendl beschreibt ihren Zugang als bewusst verständlich und persönlich: Die Sprache der Feier solle zu den Menschen passen und nicht unnötig kompliziert sein.

Vor einer kirchlichen Verabschiedung steht in der Regel ein Vorbereitungsgespräch mit den Angehörigen. Dabei werden Ablauf, Musik, Lebenslauf, Lesung und Fürbitten besprochen. Besonders häufig seien Musikwünsche wichtig, weil vertraute Lieder Erinnerungen auslösen und die Persönlichkeit des verstorbenen Menschen sichtbar machen können. Auch Beiträge von Enkelkindern, Chören oder Bläsergruppen seien möglich.

Kirchliches Begräbnis folgt einem festen Rahmen

Die Feier beginnt üblicherweise mit Musik, Begrüßung, Kreuzzeichen und Gebet. Danach folgen Lebenslauf, Lesung, Predigt und Fürbitten. Bei einer Feier ohne Messe schließen Vaterunser und Segnung von Sarg oder Urne an. Findet die Beisetzung unmittelbar danach statt, geht die Trauergemeinde gemeinsam zum Grab, wo weitere Gebete und persönliche Abschiedszeichen möglich sind.

Erster Ansprechpartner für Hinterbliebene ist nach Angaben Lendls meist das Bestattungsunternehmen. Wird ein kirchliches Begräbnis gewünscht, gelangt der Auftrag über die zuständige Friedhofskanzlei an einen Priester, Diakon oder eine ausgebildete Begräbnisleiterin beziehungsweise einen Begräbnisleiter.

Warum KI für Lendl keine Trauerrede ersetzen kann

Kritisch beurteilt Lendl den Einsatz künstlich erzeugter Avatare als Trauerredner. Technisch könnten bekannte Persönlichkeiten oder sogar Verstorbene digital sprechen. Für eine Beerdigung hält sie diese Möglichkeit dennoch für ungeeignet. Abschiednehmen und Loslassen seien zutiefst persönliche und schmerzhafte Vorgänge, bei denen echte emotionale Beteiligung eine wesentliche Rolle spiele.

Auch belastende Familiengeschichten werden im Vorgespräch angesprochen. Offene Konflikte sollten laut Lendl nicht verschwiegen oder beschönigt, aber behutsam behandelt werden. Im Mittelpunkt stehe eine stimmige Feier, die Raum für Erinnerung, Trauer und Hoffnung lässt.

Je nach Ort und Größe der Trauergemeinde trägt Lendl eine weiße Albe, Zivilkleidung oder einen weißen Schal. Gerade bei sehr kleinen Gruppen könne eine zurückhaltende Form persönlicher wirken.

Beitragsbild: © Katholische Kirche Steiermark.

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